Etappe 2: Von Wissembourg ins französiche Jura

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Jörg

Auf dem Elsässer Jakobsweg nach Süden

Nach der ersten Nacht in einer richtigen Pilgerherberge und in einem anderen Land, fühlt es sich doch gleich nach großer Pilgerreise an. Zum Glück bleibt die Sprachbarriere aber erst einmal aus, denn noch ist Elsässisch genauso gebräuchlich wie Französisch. Der Weg ist fortan sehr gut ausgeschildert. Neben den regionalen Wegmarkierungen ist der Jakobsweg zusätzlich mit der Muschel gekennzeichnet. Selbst in den Orten ist der Wegverlauf ersichtlich.

Trotzdem bin ich um das GPS und den Wanderführer froh. Denn hin und wieder lasse ich mich doch ablenken oder einfach nur von Verlockungen (wie Eis und kalten Getränken) vom Weg abbringen. In diesen Fällen bringt mich das GPS wieder schnell und ohne große Umschweife auf meinen Weg zurück, auf dem ich dann die Wanderung nach Süden fortsetzen kann.

Viele Wege führen nach Santiago de Compostella.

Alles andere als eine Postkartenidylle ist ein Teil der Landschaft entlang des Weges bis nach Strassbourg. Der Weg führt über weite Strecken auf Wirtschaftswegen durch landwirtschaftliche Monokulturen ohne Feldsaum und Gehölze. Das Auge und der Geist ermüden und ich laufe wie ein Roboter. Im großen Kontrast hierzu stehen die schönen Orte entlang des Weges. Nicht nur Hagenau ist eine Perle, auch die kleinen Weiler bieten oft schöne Details. Zudem scheinen die Elsässer Rosen zu lieben, was den Orten immer gleich ein schönes Flair gibt.

Rosen und Fachwerk im Elsass

Ein, wenn nicht der Höhepunkt der Wanderung entlang des Elässer Jakobsweges ist der Besuch von Strassbourg. Direkt am Weg liegen Europaparlament und das beeindruckende Münster. Ich laufe durch die Straßen, hole mir meinen Pilgerstempel ab und genieße das städtische Flair. Dann geht es auch schon weiter, entlang der Kanäle mit Radwegen und schönen Häusern, aber auch an scheinbar geduldeten Flüchtlingscamps mit Zelten.

Münster von Strassbourg

Zu Fuß habe ich genau die richtige Geschwindigkeit, um alle Eindrücke aufnehmen zu können. Ich brauche nicht anzuhalten und kann einfach laufen und laufen. Es ist wunderbar. Ich bin mittendrin in der Landschaft, die ich durchwandere. Es stört kein Fahrtgeräusch, kein Glas oder Blech trennt mich vom echten Leben. So verspüre ich auch kein Bedürfnis zu pausieren. Außer Mittags bei einer Kleinigkeit direkt am Weg.

Mittagsrast im raren Schatten bei über 30°C

So ist es nicht verwunderlich, dass ich sehr zügig vorankomme. Meist laufe ich 2 Tagesetappen des Wanderführers. Zum Teil auch der Tatsache geschuldet, dass jetzt auf Grund der Feiertage viele Unterkünfte voll belegt sind. Das ist der Nachteil, dass ich bewusst auf Reservierungen verzichte habe. Aber als Pilger findet man irgendwie immer etwas. Dazu ist zu erwähnen, dass es im Elsass ein ganzes Netzwerk von Privatunterkünften für Jakobspilger gibt.

Zudem bieten die Klöster und einige Pfarreien Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger an. Eintrittskarte hierfür ist ein regelmäßig gestempelter Pilgerpass.

Klosterzimmer

War die bisherige Wegführung landschaftlich eher so lala, ändert sich dies ab Molsheim deutlich. Endlich geht es stärker an den Vogesenrand. Das heißt mehr Höhenmeter, aber auch schönere Ausblicke. Zudem sind die Dörfer entlang der Elsässer Weinstraße oft sehr malerisch. Es ist ab sofort ein regelrechter Genuss die Strecke zu laufen. Ein Ort schöner als der andere und dazwischen Weinberge und kleine Wäldchen. Nach wie vor komme ich mit Deutsch gut zurecht, was auch den ein oder anderen Schwatz am Wegesrand ermöglicht.

Elsässische Dörfer sind bunt

Dagegen ist außerhalb der Orte niemand zu sehen. Keine Wanderer, keine Fahradfahrer, keine Wegelagerer und vor allem keine Pilger. Wo sind denn die 350.000 Pilger, welche jedes Jahr Compostella erreichen? Ich hatte bisher ganze zwei getroffen. Eine Schweizerin, die gerade mal für eine Woche die spirituelle Erfahrung des Jakobsweges sucht und dann eine Französin, welche mit ihrem stinknormalen Fahrrad und kleinem Rucksack auf der Reise nach Compostella ist. Um es vorwegzunehmen. Bis zum Ende des Elsässer Jakobsweges traf ich gerade mal noch 3 Wanderer. Das sind in den ersten 12 Tagen Jakobsweg ganze 4 Wanderer und eine Radlerin. Ehrlich gesagt hatte ich da mit mehr gerechnet.

Valerie auf dem Weg nach Santiago de Compostella

Der Elsässer Jakobsweg endet in Thann. Von dort können die Pilger dem Burgunder Jakobsweg über Belfort in Richtung Westen nach Vézelay folgen. Ich laufe bis Belfort und von dort weiter nach Héricort. Hier mündet der Jakobsweg aus Richtung Basel ein. Ein Schild besagt, dass es von hier aus noch 1.968km bis Compostella sind. Dazu verspüre ich momentan keine Lust. Mich reizt die Aussicht bald durch die Berge zu wandern und folge stattdessen dem GR5 nach Süden.

gefüllter Pilgerpass am Ende meiner Wanderung auf dem Jakobsweg

Für mich ist es immer wieder verblüffend, dass in Deutschland außer dem Jakobsweg (dem finalen Stück) und dem E5 über die Alpen praktisch keine weiteren Fernwanderwege bekannt sind. Dabei gibt es so viele, teils spektakuläre, auch in Deutschland. Der GR5 ist einer dieser Sorte, wenn er auch nicht durch Deutschland führt. Dieser Weg beginnt in Holland an der Nordsee und führt durch viele Gebirgeszüge bis an die Mittelmeerküste nach Nizza. Während die GTA im Westalpenbogen auf italienischer Seite verläuft, führt der GR5 dort oft parallel auf der französichen Seite durch die Alpen.

Der GR5 führt mich in den nächsten Tagen durch das nördliche Jura. Die Landflucht ist hier offensichtlich. Läden und Restaurants haben geschlossen und es wird überraschend schwierig sich mit Lebensmitteln einzudecken. Dagegen wurde, Dank des GR5, eine gute Infrastruktur zum Übernachten geschaffen. Wanderherbergen heißen hier Gíte d' Étape und finden sich ausreichend entlang des Weges.

Nach 15 Tagen in Frankreich erreiche ich den winzigen Ort Goumois an der schweizer Grenze. Wieder einmal gibt es keine Einkaufsmöglichkeit und mit knurrenden Magen wandere ich über die Brücke des Doubs in die Schweiz.

Einreise in die Schweiz: Land Nummer drei.

Fazit Elässer Jakobsweg und GR5

  • 14/ 1 Wander- /Pausentage
  • 402 Kilometer
  • 6.020 Höhenmeter im Anstieg
  • Highlights: Klosterübernachtungen entlang des Jakobsweges, elsässer Dörfer, Strassbourg
  • Überraschendes: Kaum Jakobspilger entlang des Weges
  • Negatives: Versorgungssituation im Jura - unfreiwilliges Fastenwandern
  • Gefährliches: Wachhunde in den Dörfern
Direktlink zur interaktiven Karten bei Outdooractive

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